Paula Wagner
2026-07-21
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Geräte in den letzten Jahren „ineffizienter“ geworden sind, liegt das meist nicht an der Technik, sondern an der neuen Einteilung der Energieeffizienzklassen. Früher gab es Skalen wie A+, A++ oder A+++. Diese waren zwar gut gemeint, führten aber zu einem Problem: Fast alle Produkte landeten irgendwann in den Topklassen, und die Skala verlor ihren Aussagewert.
Darum wurde in der EU eine Reskalierung eingeführt: Viele Produktgruppen wurden wieder auf eine klare Skala von A bis G zurückgesetzt. Das bedeutet:
Gerade in Deutschland und Österreich, wo Strompreise häufig als hoch empfunden werden und Energieeinsparung gesellschaftlich sowie politisch stark diskutiert wird, lohnt es sich, die neue Logik zu kennen. Wer die Angaben richtig liest, trifft deutlich bessere Kaufentscheidungen.
Das EU-Energielabel ist ein standardisiertes Informationsblatt, das Ihnen auf einen Blick Orientierung geben soll. Dennoch ist es wichtig, nicht nur auf den Buchstaben zu schauen. Eine zentrale Regel lautet: Die Energieeffizienzklasse ist eine relative Kennzahl innerhalb einer Produktkategorie – und sie wird aus Messwerten berechnet, die in EU-Tests festgelegt sind.
Die Skala von A (sehr effizient) bis G (weniger effizient) basiert auf einem Effizienzindex. Dieser setzt den Verbrauch eines Geräts ins Verhältnis zu einem Referenzwert, der von Größe, Kapazität und Produktart abhängt. Daher kann es vorkommen, dass:
Viele Käuferinnen und Käufer achten primär auf den Buchstaben. Das ist verständlich – aber nicht optimal. Ein sinnvoller Check besteht aus zwei Schritten:
Gerade bei Geräten wie Waschmaschinen oder Geschirrspülern ist der Verbrauch oft auf 100 Zyklen normiert. Wenn Sie deutlich häufiger oder seltener waschen, verschiebt sich die reale Kostenwirkung.
Das Energielabel ist je nach Produktgruppe leicht unterschiedlich aufgebaut. Bestimmte Elemente kommen aber fast immer vor. Wenn Sie diese Punkte systematisch prüfen, können Sie die Energieeffizienzklasse richtig verstehen – und Fehlkäufe vermeiden.
Der farbige Balken mit dem Buchstaben zeigt die Einordnung. Merke: Nach der Reskalierung ist ein „C“ nicht automatisch schlecht. In manchen Kategorien ist „C“ bereits ein sehr guter Wert.
Das ist der wichtigste Zahlenwert auf dem Label. Je nach Gerätetyp:
Für Deutschland und Österreich ist es hilfreich, grob zu überschlagen, was das in Euro bedeutet: kWh × Strompreis. Da Stromtarife stark schwanken, ist eine Rechnung mit mehreren Szenarien sinnvoll (z. B. 0,30 €/kWh und 0,40 €/kWh).
Geräusch spielt in vielen Haushalten eine große Rolle – etwa in offenen Wohnküchen, Altbauwohnungen oder Mehrparteienhäusern. Auf dem Label finden Sie:
Wenn Sie in einer Mietwohnung leben oder Geräte nachts laufen lassen (z. B. Geschirrspüler im Niedertarif/Flex-Tarif), kann ein leiseres Gerät ein echter Komfortgewinn sein.
Bei vielen Geräten gibt das Label zusätzliche Infos:
Wichtig: Die Effizienzklasse ist nur dann „ehrlich“ hilfreich, wenn die Gerätegröße zu Ihrem Haushalt passt. Ein zu großes Gerät kann trotz guter Klasse unnötig viel Energie verbrauchen.
Viele Labels enthalten einen QR-Code. Der führt in der Regel zur europäischen Produktdatenbank (EPREL), wo Sie zusätzliche technische Daten, Herstellerangaben und Modellvarianten finden. Das kann besonders nützlich sein, wenn Online-Shops ähnliche Modellnamen führen oder wenn Sie Geräte aus Deutschland vs. Österreich vergleichen möchten.
Im Alltag kursieren einige Annahmen, die zu schlechten Entscheidungen führen können. Hier sind die häufigsten:
In der Theorie ja – in der Praxis kann ein A-Gerät deutlich teurer sein, ohne dass sich der Mehrpreis in Ihrer Nutzung schnell amortisiert. Besser ist eine Gesamtrechnung aus Anschaffung, Verbrauch und Lebensdauer.
Die Klasse ist relativ. Die absoluten kWh entscheiden über Ihre Stromrechnung. Ein großes Gerät kann in guter Klasse trotzdem mehr verbrauchen als ein kleineres in mittlerer Klasse.
Eco-Programme sind in den EU-Tests oft die Referenz und tatsächlich häufig die effizienteste Option. Sie dauern manchmal länger, sparen aber typischerweise Strom und Wasser. Wer etwa in Deutschland oder Österreich auf steigende Nebenkosten reagiert, kann hier spürbar sparen.
Standby-Verbrauch ist zwar gesunken, aber nicht verschwunden – und bei vielen Geräten summiert sich das. Besonders in Haushalten mit vielen Smart-Devices, Routern, Set-Top-Boxen oder Audioanlagen kann sich das lohnen zu prüfen.
Das Energielabel liefert standardisierte Werte. Ihr realer Verbrauch hängt jedoch von Nutzung, Einstellungen und Umgebung ab. Mit diesen Faktoren können Sie besser einschätzen, was „effizient“ für Sie bedeutet:
Tipp: Wenn der Verbrauch in kWh/100 Zyklen angegeben ist, teilen Sie durch 100 und multiplizieren Sie mit Ihrer geschätzten Jahresanzahl an Zyklen.
Gerade bei Kühlgeräten beeinflusst die Umgebung den Verbrauch:
In Altbauten (häufig in deutschen und österreichischen Städten) können Raumtemperaturen im Sommer stark steigen – das wirkt sich direkt auf den Kühlenergiebedarf aus.
Je nach Gerätetyp gibt es unterschiedliche „Hebel“, die für Effizienz entscheidend sind. Hier ein praxisnaher Überblick.
Kühlgeräte laufen 24/7 – deshalb kann selbst eine kleine Differenz in kWh/Jahr über die Lebensdauer viel ausmachen.
Für Haushalte in Deutschland und Österreich gilt: Wer noch ein sehr altes Zweitgerät im Keller betreibt („Getränkekühlschrank“), sollte kritisch rechnen – oft ist das der größte heimliche Stromfresser.
Auf dem Label finden Sie häufig:
Ein häufig unterschätzter Punkt: Gute Schleuderleistung reduziert die Trocknerzeit (oder beschleunigt Lufttrocknung) – das kann die Gesamtenergie im Haushalt senken.
Wenn Sie einen Trockner brauchen, ist der Typ entscheidend:
In Regionen mit hoher Luftfeuchte oder in Wohnungen ohne gute Trockenmöglichkeiten (typisch in manchen Stadtlagen) kann ein effizienter Wärmepumpentrockner langfristig sinnvoll sein.
Moderne Geräte sind oft effizienter als Handspülen, vor allem bei voller Beladung. Relevant sind:
Wenn Sie in Österreich oder Deutschland in Gegenden mit höheren Wasser-/Abwasserkosten leben, wirkt Wasserverbrauch zusätzlich auf die Gesamtbetriebskosten.
Bei Backöfen spielt neben der Klasse die Nutzung eine große Rolle (Vorheizen, Umluft vs. Ober-/Unterhitze). Induktionskochfelder gelten oft als effizient, weil Energie sehr gezielt im Topf landet. Achten Sie zusätzlich auf:
Bei Displays wirkt die Bildschirmdiagonale stark auf den Energiebedarf. Ein größerer TV kann trotz guter Einstufung mehr kWh verbrauchen. Praktisch:
Ein realistischer Vergleich kombiniert Anschaffungspreis und Betriebskosten. Beispiel (vereinfachte Rechnung):
Jährliche Differenz: (200 − 150) × 0,35 € = 17,50 €
Über 10 Jahre: ca. 175 € (ohne Preissteigerungen). Wenn Gerät A 250 € teurer ist, kann sich das je nach Lebensdauer und Strompreisentwicklung rechnen – oder eben nicht. Genau hier zeigt sich, warum es wichtig ist, die Energieeffizienzklasse richtig zu verstehen, aber den kWh-Wert immer mitzudenken.
Viele Haushalte in Deutschland und Österreich haben noch funktionierende Geräte, die „eigentlich noch gehen“. Die Frage ist dann: Weiter nutzen oder ersetzen?
Wenn Sie den genauen Verbrauch wissen möchten, helfen:
Ein Austausch spart nicht automatisch CO₂, wenn ein Gerät neu produziert werden muss. Dennoch kann er sinnvoll sein, wenn:
In der Praxis ist ein „effizienter Neukauf beim ohnehin anstehenden Ersatz“ oft die beste Strategie.
Die Energiekennzeichnung ist EU-weit geregelt, doch Förderlandschaften und Informationsangebote unterscheiden sich. Für Leserinnen und Leser aus Deutschland und Österreich sind diese Punkte relevant:
Wichtig: Für Haushaltsgeräte im engeren Sinn sind direkte Zuschüsse nicht immer verfügbar. Häufiger sind Förderungen im Gebäudebereich (Heizung, Dämmung, Photovoltaik). Dennoch hilft die Energielabel-Logik auch dort, z. B. beim Vergleich von Warmwassergeräten oder Lüftungssystemen (je nach Kennzeichnung).
Mit dieser Liste können Sie Geräte schnell und fundiert bewerten – egal ob Sie bei einem Händler in München, Hamburg, Wien oder Graz kaufen oder online bestellen.
Weil die Skala absichtlich so gestaltet wurde, dass Klasse A nur von den effizientesten Modellen erreicht wird. Das verhindert eine schnelle „Inflation“ wie früher bei A+++.
Nicht automatisch. In manchen Produktkategorien ist D aktuell durchaus üblich. Entscheidend ist der Vergleich innerhalb Ihrer Auswahl sowie der konkrete kWh-Verbrauch.
In der EU müssen Händler die Energielabel-Informationen bereitstellen. Trotzdem lohnt sich ein Abgleich über den QR-Code bzw. EPREL, besonders bei sehr ähnlichen Modellbezeichnungen.
Mit dynamischen oder flexiblen Tarifen (wo verfügbar) kann es sinnvoll sein, Geräte in günstigeren Zeiten laufen zu lassen. Dann gewinnen leise Geräte und Timer-Funktionen an Bedeutung. Unabhängig davon bleibt die Effizienz (kWh) die Basis.
Wer die Energieeffizienzklasse richtig verstehen möchte, sollte den Buchstaben als schnellen Kompass nutzen, aber immer die Verbrauchszahl (kWh) und die passende Gerätegröße in den Mittelpunkt stellen. Seit der EU-Reskalierung wirken viele Geräte auf den ersten Blick weniger effizient – tatsächlich ist die Skala nur ehrlicher und zukunftsfähiger geworden.
Wenn Sie beim Kauf in Deutschland oder Österreich konsequent nach Klasse + kWh + Nutzung entscheiden, sparen Sie nicht nur Geld, sondern reduzieren auch Ihren CO₂-Fußabdruck – ohne auf Komfort zu verzichten.
Siehe auch